Wie Kinder Sprache lernen

Ein individueller Weg: der Spracherwerb

Schon im Mutterleib begegnet Ihr Kind seiner Muttersprache. Es hört die Stimme der Mutter und andere Stimmen und es antwortet etwa durch Zusammenzucken bei Lärm auf laute Geräusche. Auf die eigene Muttersprache reagiert es schon rasch nach der Geburt. Zunächst tritt Ihr Kind mithilfe des Schreiens in Kommunikation. So kann es beispielsweise zeigen, dass es hungrig ist oder wenn ihm etwas nicht behagt. Nach und nach beginnt es mit dem Lallen, dem Zuhören und Nachmachen von sprachlichen Äußerungen und damit, die Bedeutung von Gegenständen zu erkennen. Seine ersten Wörter spricht es in der Regel zwischen dem 12. und 18. Lebensmonat. In dieser Zeit erwirbt es relativ langsam seine ersten 50 Wörter. Ist diese Marke geknackt, so spricht die Wissenschaft von einer so genannten „Benennungsexplosion“. Schlagartig werden innerhalb des nächsten halben Jahres gut 200 Wörter dazu gelernt. Dabei unterlaufen den kleinen SprachenlernerInnen häufig Fehler. So wird zum Beispiel oftmals jedes vierbeinige Tier als „Hund“ bezeichnet. Mit zwei bis drei Jahren spricht Ihr Kind in Zwei- bis Dreiwortsätzen, im Alter von vier Jahren spricht es in Sätzen – allerdings noch nicht immer grammatikalisch richtig. Ab dem Alter von sechs Jahren beginnt es damit, sich hinsichtlich der Grammatik zu korrigieren, bewusst kann es sich mit dieser allerdings erst ab dem Alter von acht Jahren auseinandersetzen. Die „sensible Phase“ für das Sprachenlernen endet mit der Pubertät.

Die oben genannten zeitlichen Angaben können den Spracherwerb von Kindern nur exemplarisch darstellen. Jedes Kind durchläuft diesen unterschiedlich – und zum Teil zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten. So gibt es so genannte „late talker“,  die mit zwei Jahren noch nicht über einen Wortschatz von ca. 50 Wörtern verfügen und auch noch keine Zweiwortsätze bilden können. Sollten Sie sich als Eltern Sorgen hinsichtlich des Spracherwerbs Ihres Kindes machen, so sprechen Sie einen Kinderarzt an. Dieser wird Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.


Auch fremde Sprachen erlernt Ihr Kind ähnlich wie die Muttersprache. Dabei ist es ihm möglich, die Grammatiken der beiden Sprachen auseinanderzuhalten. Bilinguale Familien sollten deshalb großen Wert darauf legen, dass jedes Elternteil jeweils in seiner Muttersprache mit dem Kind spricht. Auch, wenn Ihr Kind in der anderen Sprache antwortet, sollten Sie konsequent in Ihrer Muttersprache mit ihm kommunizieren.


So unterstützen Sie Ihr Kind bei seinem Spracherwerb

Ihr Kind lernt seine Muttersprache über die sprachliche Kommunikation mit Ihnen. Deshalb sollten Sie vom ersten Tag an mit ihm sprechen. Erklären Sie ihm, was Sie tun, wenn Sie es baden oder wickeln oder auch mit ihm spielen. Benennen Sie Gegenstände deutlich und zeigen Sie ihm diese. Sprechen oder singen Sie ihm Kinderreime und Kinderlieder vor und entwickeln Sie Rituale – beispielsweise beim Zubettgehen. Erfinden Sie ein „Zähneputzlied“ oder erzählen Sie einen kleinen Gutenacht-Reim. Wenn Ihr Kind beginnt, sich sprachlich zu äußern, so korrigieren Sie seine Fehler nicht direkt, sondern eingebunden in Ihre Antworten. Aus einem: „Ich bin gelauft.“ – wird so beispielsweise ein: „Ja, Du bist gelaufen.“


Bieten Sie Ihrem Kind Möglichkeiten, handelnd seine Sprache zu erwerben. So etwa beim Kochen oder Backen, beim Spielen, bei Spaziergängen oder beim Experimentieren mit Matsch oder Wasser. Rollenspiele bzw. Puppentheaterspiele fördern neben der Sprache auch die Fantasie und Kreativität Ihres Kindes.


Von ganz besonderer Bedeutung ist das (Vor-) Lesen. Beginnen Sie frühzeitig damit, mit Ihrem Kind etwa Bücher aus Stoff oder Buggybücher zu betrachen. Später sind so genannte Wimmelbücher ein hervorragender Gesprächsanlass. Stellen Sie Ihrem Kind Fragen und lassen Sie es bestimmte Gegenstände auf den Bildern finden. Auch umgekehrt macht die Suche genauso viel Spaß. Lassen Sie sich in der örtlichen Bibliothek oder im Fachhandel beraten, welche Bücher gut zu Ihrem Kind passen.


Später, wenn Ihr Kind dann selbst lesen kann, ist das gemeinsame Lesen immer noch wichtig für seine Sprachentwicklung. Es lernt, im Gespräch über das Gelesene und Gehörte, seine Empfindungen treffend auszudrücken und seine Meinung zu begründen.


Sie sind gefragt: Seien Sie ein gutes sprachliches Vorbild

Neben angeborenen Fähigkeiten, die Sprache zu erwerben, sind auch die Aufmerksamkeit und die Zeit sowie die geistigen und sprachlichen Anregungen, die Sie Ihrem Kind zuteil werden lassen, von besonderer Bedeutung. Überlegen Sie genau, ob Sie selbst ein gutes sprachliches Vorbild sind. Sprechen Sie beispielsweise eher gern – oder ungern? Schmücken Sie Ihre Geschichten aus und spielen Sie mit Worten? Bemühen Sie sich, in einem angemessenen Tempo zu sprechen und die Wörter gut auszusprechen? Erklären Sie Ihrem Kind viele Dinge und gehen Sie auf seine sprachlichen Äußerungen interessiert ein – oder sind Sie manchmal eher abweisend? Welchen Stellenwert nimmt die Sprache in Ihrem Familienleben ein? Tauschen Sie sich beispielsweise im Rahmen von Mahlzeiten über das Tagesgeschehen aus? Spielen Sie eventuell lieber einmal ein Gesellschaftsspiel oder lesen Sie ein Buch gemeinsam, anstatt fernzusehen?


All diese Faktoren sind wichtig, damit Ihr Kind einen unbefangenen Zugang zur Sprache erhält. So lernt es, wie viel Freude es machen kann, mit Sprache zu spielen, in Kommunikation zu treten und sich treffend auszudrücken. Und genau dies ist nicht nur wichtig für seine spätere Zeit als Schulkind.


Literatur:

Alexandra von Plüskow. Sprachförderung für den Alltag zu Hause. Hintergrundwissen und Tipps für Eltern von Kindergarten- und Grundschulkindern. Westermann Verlag. Praxis Familie. Braunschweig. 2011


Der Beitrag: Wie Kinder Sprache lernen wurde am Sonntag, 07. Dezember 2014 veröffentlicht und unter Allgemeines abgelegt.


 
 

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